Das “Arsenal” wächst
alexander | Fotografie, Text, Video21 Mai 2012
WITTENBERG – Fred Saß hat viel erzählt an diesem Sonnabend auf der Baustelle fürs neue Einkaufszentrum namens “Arsenal” in Wittenbergs Innenstadt. Der Geschäftsführer der Berliner OFB-Projektentwicklung führte Interessierte durch den Rohbau des künftigen Einkaufstempels, der seine Türen schon im Oktober für die ersten Kunden öffnen soll.
Und die Menschen kamen, um zu sehen, was da in enormer Geschwindigkeit in Luthers Stadt entsteht. “In sieben Gruppen mit jeweils 25 bis 30 Leuten haben wir uns heute den Rohbau buchstäblich vom Keller bis zum Dach angesehen”, erzählt der Architekt. Das Interesse ist groß. “Meine Frau und ich stammen zwar aus Jessen, aber uns hat trotzdem die Neugier auf das neue Zentrum hergetrieben. Das ist ja schließlich auch unsere Region”, erzählt etwa Horst Weser. Eigentlich findet er den Neubau im Zentrum gut. Bedenken bleiben aber trotzdem, vor allem was die neue Konkurrenz für die Ladeninhaber in der Altstadt bedeuten mag. Dem stimmt Peter Breite zu. Der Wittenberger ist seit Baubeginn fast täglich an der Baustelle vorbei gegangen und habe das Gebäude wachsen sehen. “Es ist zwar schön, wenn man auf kleinem Raum alles erwerben kann – aber es würde mir leid tun, wenn durch das neue Zentrum Geschäfte in der Innenstadt in Konkurs gehen müssen”, sagt er.
Diese Bedenken versucht Saß zu zerstreuen. Er empfindet das Zentrum nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Angeboten in der Altstadt. “Wir sehen uns als ausdrückliche Ergänzung. Nur mit der City zusammen kann das Center überhaupt bestehen”, sagt er. Zudem würde das “Arsenal” dabei helfen, Touristen länger in der Stadt zu halten – und dass die Leute aus der Umgebung zum Shoppen nicht mehr in die Metropolen Berlin oder Leipzig fahren müssten. Damit würde der Einzelhandel in der Stadt sogar eher noch gestärkt als geschwächt. Mit Charme und Witz erzählt er dann noch von den Archäologen, die bei ihren Grabungen quasi als “Geschenk” ein zusätzliches Kellergeschoß ermöglicht hätten. Bei den Ausgrabungen wurden bekanntlich zwei historische Kellergewölbe – eines davon das des Hauses von Lufft – entdeckt, die der Nachwelt erhalten bleiben sollen. Und auch die Parkmöglichkeiten – geplant ist Raum für über 300 Fahrzeuge – würden die Innenstadt entlasten. Imposant ist diesbezüglich die bauliche Umsetzung. Der Betonboden der Tiefgarage liegt 40 Zentimeter über dem höchsten je gemessenen Hochwasser der Elbe. Und er bietet für den Fall der Fälle Ablauflöcher und Pumpensümpfe. “Wir bauen ja hier nicht nur für die nächsten zehn Jahre”, erklärt Saß.
Peter Breites Sorgen zerstreut das alles nicht vollständig, wenn er auch von den ausführlichen Schilderungen sehr angetan ist. Trotzdem. “Bei so einer Flut neuer Geschäfte, da werden wohl einige den Bach runtergehen”, sagt er. Und was die Eröffnung des Einkaufszentrums betrifft, da macht Trockenbau-Polier Rifat Temiz eine klare Ansage. “Na klar. Wir haben schon oft mit der Baufirma zusammengearbeitet und sind immer pünktlich fertig geworden”, sagt der Mann, der seit knapp drei Wochen mit seinem fünfköpfigen Team auf der Baustelle beschäftigt ist und den es in Wittenberg gut gefällt. “Die Stadt ist total schön, und auch die Leute begegnen uns ausgesprochen höflich und freundlich”, sagt der Berliner.
Rohbau: Gigantisch
Etwa 200 Kubikmeter Holz werden von einer Wittenberger Zimmerei bis zum Oktober im neuen Einkaufszentrum verbaut. Zudem riesige Mengen an Beton und zirka 1 800 Tonnen Stahl. Auf 13 000 Quadratmetern Verkaufsfläche können sich Geschäfte ansiedeln. Bis jetzt sind 90 Prozent der Ladenflächen vermietet. Mit dem pünktlichen Abschluss des Neubaus rechnen die am Bau Beteiligten. “Das Weihnachtsgeschäft ist wichtig”, so Knut Maurivé, der für die Öffentlichkeitsarbeit der Projektentwicklungsfirmen verantwortlich ist.
Tags: Arsenal, Baustelle, Einkaufszentrum, Führung, Innenstadt, Kommerz, Wirtschaft, Wittenberg



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